Chronik


CHRONIK 1904 - 2004

1904 - 1938
ERSTE SCHRITTE UND EINE JÄHE UNTERBRECHUNG


Nur wenig ist heute noch von den Gründungstagen des Radfahrervereins Gärtringen erhalten; Bilder, Urkunden, Dokumente aus jener Zeit der Anfänge sind rar. Fest steht jedoch: 1904 wurde der Verein ins Leben gerufen, um dem Hobby, dem Radfahren, besser nachgehen zu können. Dieses Vorhaben erforderte 1904 eine gehörige Portion Idealismus.

Hatte man sich erst einmal ein Fahrrad erspart, so musste man sich mit dem schweren Ding auf holprigen Straßen herumplagen und dabei bestimmt öfter als heute einen platten Reifen in Kauf nehmen. Die Pedale eines Fahrrads waren bis dahin noch starr an das Hinterrad gekoppelt. Erst im Gründungsjahr des Radfahrervereins Gärtringen wurde die Freilauf-Kupplung erfunden. So etwas wie eine Gangschaltung konnten sich die damaligen Radler wohl nicht einmal vorstellen.

Die Gründer nahmen also zunächst einmal die Mühen des Vereinslebens auf sich und wählten ihren ersten Vereinsvorstand. Johannes Wohlbold, wohnhaft gewesen in der Kirchstraße, fungierte als Erster Vorsitzender und hatte dieses Amt bis 1920 inne. Schriftführer wurde Heinrich Schäfer, von Beruf Wagner, in der Hauptstraße wohnend, und Kassier war der Schreiner Heinrich Schäfer, der in der Hindenburgstraße wohnte.

Bereits drei Jahre später veranstaltete der auf 22 Mitglieder angewachsene Verein sein erstes Fest, verbunden mit der Fahnenweihe.
Nach dem 1. Weltkrieg übernahm 1921 Christian Honold den Vorsitz. Hauptsächlich Mitglieder des Radfahrervereins waren es, die im selben Jahr den Turnerverein gründeten, der allerdings in erster Linie als Fußballverein gedacht war. 1925 löste Hirschwirt Eugen Kimmerle Christian Honold ab. Am 2. Februar 1938 trafen sich die noch im Ort anwesenden Mitglieder wegen des 2. Weltkrieges zur vorläufig letzten Generalversammlung im Gasthaus Löwen.

1951 - 1959
EIN NEUER ANFANG


1951 fanden sich endlich wieder ein paar unternehmungslustige junge Gärtringer: Siegfried Widmann, Rolf Flach und Eugen Kirn, damals erst 16 oder 17-jährig, setzten sich am 15. Juni 1951 mit ein paar der ehemaligen Radsportler zusammen, um das Vereinsleben von Neuem aufzubauen. Am selben Abend wurde noch ein neuer Vorstand gewählt: Robert Schäfer nahm das Amt des Ersten Vorsitzenden an, Zweiter Vorsitzender wurde Friedrich Kimmerle, während Willi Zinser die Kasse verwaltete und Marianne Widmann die Protokolle führte.

Nun mussten zunächst neue Mitglieder geworben werden. Schon eine Woche später, bei der zweiten Versammlung zählte der Radfahrerverein Gärtringen bereits knapp 30 Anhänger. Meist noch jünger als 20 Jahre , fanden sich darunter bereits sieben Rennfahrer. Als Vereinslokal diente das Café Schäfer.

Noch im gleichen Jahr nahm der RVG wieder an Wettkämpfen teil. Der erste Festzugs-Pokal wurde im August 1951 beim Korsofahren in Kusterdingen geholt, und sogar einen Meistertitel in der A-Klasse erkämpften sich die Gärtringer Radsportler bei den Nordwürttembergischen Meisterschaften in Altburg.

Durch diese Erfolge aufgemuntert, wurde trotz nahezu leerer Kasse das erste Kriteriumsrennen nach dem Krieg in Angriff genommen. Die Mühe lohnte sich: Dank großzügiger Spenden der Gärtringer Geschäftsleute wurde das Rennen nicht zuletzt ein finanzieller Erfolg. Die gesamte Württembergische Spitze war am Start: So schuf sich der RVG bereits früh einen Namen.

In den nachfolgenden Jahren ließ der Eifer nicht nach, selbst bei Wind und Wetter verreisten die RVG-Mitglieder zum Korsofahren – natürlich mit dem Fahrrad –, ließen fast kein Rennen aus und holten sich, wie zum Beispiel Siegfried Widmann in der Hauptklasse und Eugen Kirn in der Jugendklasse Kreismeistertitel. Stürze waren bestimmt nicht seltener als heutzutage. Dass ein RVG-Fahrer 1952 in Kirchentellinsfurt auf einem Misthaufen landete, kann man sich jedoch heute kaum mehr vorstellen.

Zum Vereinsleben gehören auch Geselligkeit und Kameradschaft – für die Gärtringer nichts Neues. Und so luden sie 1952 zwanzig Vereine von Altingen bis Weil im Schönbuch zu ihrem Radfahrerfest im August ein. Die Darbietungen einiger Nachbarvereine im Radball und Kunstradfahren waren dabei gern gesehene Einlagen. Der RVG selbst hatte nämlich noch keine Trainingsmöglichkeiten und somit auch keine Saalsportler.

1954 im 50. Jahr des Vereins hatte der spätere langjährige Kassier Willi Vetter von Eugen Schuster das Amt des Vorsitzenden übernommen, bis er 1956 von Eugen Kirn abgelöst wurde, der dieses Amt mit Ausnahme von 1961 insgesamt zwölf Jahre innehatte.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums war der Radfahrerverein Ausrichter der Württembergischen Einer-Straßenmeisterschaft. Die umfangreichen Vorbereitungen, auch für das damit verbundene Fest schienen bereits vom Regen zunichte gemacht zu werden, als am Sonntagmorgen um 6 Uhr zu Beginn des Rennens die Sonne doch noch zur Freude aller schien. Kurz nach Mittag wurde in der Kirchstraße die Aufstellung des Festzugs vorgenommen. Die vielen mit buntem Krepp geschmückten Räder und die mit Tannenwispeln, Fähnchen und Girlanden behängten Häuserfassaden gaben ein farbenfrohes Bild ab. Zahlreich waren die Festzugbesucher, von denen sich die meisten am Nachmittag die spannenden Radballspiele und das Reigenfahren auf dem Festgelände ansahen. Das Kinderfest am Montag war bei Temperaturen um 30 Grad ein gelungener Abschluss, der auch den Kassier für seine Arbeit belohnte.
Die damaligen Rennfahrer: Richard Kirn, Franz Schneeweiß, Heinz Kimmerle, Horst Laur, Sigmund Marquardt und Siegfried Widmann fuhren bei Rennen in Cannstatt, Wurmlingen, Weil im Schönbuch und Ostelsheim einige erste und zweite Plätze heraus.

1960 - 1967
AUSDEHNUNG AUF DIE HALLE


Im Februar 1960 arrangierten die Gärtringer Radsportler in der neuen Turn- und Festhalle zum ersten Male eine Hallenradsport-Veranstaltung. Die Gärtringer Kunstradsportler, nämlich Siegfried Bühler, Gerhard Köhler und Erwin Gößler hatten noch bis vor kurzem in Oberjesingen trainieren müssen. Jetzt, da die neue Halle fertig war, hofften sie mit dieser Demonstration Interesse bei den Jugendlichen zu wecken. Mit dem Auftritt des damaligen Kunstrad-Weltmeisters Heinz Pfeiffer aus Schwenningen waren die Darbietungen von höchstem Niveau. Auch im Radball waren mit dem Oberligisten Esslingen I und II spannende Spiele geboten. Diese Veranstaltung war der Grundstein für die ein Jahr später gegründete Radball-Abteilung.

Bedeutenden sportlichen Erfolg brachte dem Verein das Jahr 1961 mit Joachim Preuß. Er wohnte erst ein knappes Jahr in Gärtringen und holte sich den Titel bei der Württembergischen Einer-Straßenmeisterschaft: Auf den letzten 60 Kilometer hatte er eine Alleinfahrt riskiert und seinen Vorsprung laufend ausgebaut. Als vielumjubelter Sieger fuhr er mit einem Vorsprung von 4:47 Minuten durchs Ziel.
Im Kunstradfahren glänzte Erwin Gößler, der erst drei Jahre zuvor, viel zu spät, das Kunstradfahren angefangen hatte. Er wurde Kreis- und Bezirksmeister, Siegfried Bühler errang jeweils den zweiten Platz.

Am 12. August 1962 fuhr Heinz Kimmerle beim Vergleichskampf Baden gegen Württemberg in Gärtringen sein großes Rennen. Hinter Paul Glemser belegte er den zweiten Platz. Auf der Querfeldeinstrecke am Weingartenberg waren die Gärtringer am 20. Januar 1963 schon wieder Ausrichter einer Württembergischen Meisterschaft, die der Titelverteidiger Franz Allgaier bei fast zehn Grad Kälte zum sechsten Mal überlegen gewann. Hartmut Kimmerle musste wegen eines Sturzes aufgeben.

Zwei Jahre nach Gründung der Radball-Abteilung stieg der RVG 1963 offiziell in die Verbandsrunde ein. Mit nur vier Göricke-Maschinen war der Anfang gemacht worden. Da hieß es für die sechs Radballer noch: „Räder tauschen“. Bei den Junioren spielten Hartmut Kimmerle/Otto Schrade, in der Jungendstaffel Gerhard Köffler mit Horst Bühler und Rainer Röck mit Emil Bühler. In den ersten Jahren rutschten sie natürlich noch auf den hinteren Plätzen herum, doch der Leistungsanstieg war unverkennbar, vor allem in die Jüngsten Fritz Kimmerle und Werner Schöll wurden große Hoffnungen gesetzt.

Noch neu unter den Hallenradsportlern, trug der Gärtringer Radfahrerverein 1964 zu seinem 60. Geburtstags die Württembergische Hallenradsport-Meisterschaften. Im Kunstradfahren und Radball durften die Gärtringer stolz auf ihren Nachwuchs blicken: Bärbel Sommer holte sich 1965 den Bezirksmeister-Titel und qualifizierte sich für die württembergischen Schüler-Meisterschaften im Kunstradfahren.

1965 und 1967 fanden auf der bewährten Querfeldeinstrecke zwei weitere Rennen statt, bei denen sich nun auch Gärtringer Rennfahrer profilierten. In der Jugendklasse wurde Roland Rapp vierter und Hans Wohlbold 1965 siebter, während er 1967 bereits den Kreismeister-Titel erkämpfte. Im selben Jahr erreichte das junge Talent bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften den 15. Platz.

Der erste Radballerfolg wurde 1966 notiert, als die Jugendmannschaft Werner Schöll/Fritz Kimmerle in der B-Jugend beim Tag des Saarländischen Hallenradsports den ersten Rang belegte. Die beiden verstanden dies als Ansporn und qualifizierten sich ein Jahr später zur Württembergischen Meisterschaft. 1966 versuchte sich die junge Radball-Abteilung an ihrem ersten Freundschaftsturnier, Mannschaften aus Stuttgart-Wangen, Sindelfingen, Merklingen und Wimsheim waren eingeladen. Diese Radball-Turniere wurden bald zur Tradition.

1968 - 1974
DIE ERSTE GROSSE VERANSTALTUNG


Erneut richtete der RVG 1968 auf der idealen Strecke, aber bei schlechtem Wetter die Württembergische Querfeldein-Meisterschaft aus, die ganz klar an Wolfgang Renner vor Karl Stähle ging. Beim Jungendrennen wurde Hans Wohlbold Dritter, Wilfried Stegmüller Vierter, Eberhard Reichert, Werner Schuster und Heinz Hennig belegten die Plätze sechs bis acht. 1968 belegte Hans Wohlbold bei der Deutschen Querfeldein-Meisterschaft in Saarbrücken einen 15. Platz, war im Juli beim Europa-Treffen in Gütersloh dabei, wurde Vizemeister im Bergfahren bei der Württembergischen Jugendmeisterschaft in Lauterbach und nahm zusammen mit dem begabten Vereinskameraden Wolfgang Strauß am Deutschland-Pokal in der Vierer-Verbandsmannschaft teil. Betreut und trainiert wurden die beiden Rennfahrer damals von Joachim Preuß. Wolfgang Strauß erreichte seinen Höhepunkt erst ein Jahr später.

War er 1968 bereits Dritter bei der Deutschen Meisterschaft im „Ersten Schritt“, so wurde er 1969 dreimal Vize, zum einen bei der Württembergischen Bahnmeisterschaft im Zweier-Mannschaftsfahren und zum anderen in den Jugendländervergleichs-Kämpfen im Vierer-Bahnradfahren in Oberhausen und Saarbrücken. Beim Jungend-Ländervergleichskampf im Straßenfahren in Mühlhausen war Wolfgang Strauß erfolgreich. Seine Glanzleistung war der Sieg bei der Württembergischen Einer-Straßenmeisterschaft in Fluorn im Schwarzwald.

Karl Link beendete im August 1969 beim Gärtringer Rundstrecken-Rennen an der Post seine erfolgreiche Laufbahn, fast am gleichen Platz, an dem er sie zwölf Jahre zuvor auf der Straße begonnen hatte. Wenig später folgte auch sein letzter Start auf der Bahn im Öschelbronner Velodrom.

Die drei Jugendmannschaften Wolfgang Kimmerle/Günther Schmerbach, der später durch Wilfried Stegmüller abgelöst wurde, Armin Lichtl/Norbert Lautenbach und Wolfgang Widmann/Gerhard Marquardt zählten 1968 zu den besten Radballern Württembergs. Letztere waren deswegen schon früh vom BDR zu Vergleichskämpfen oder Auslandstourneen, wie zum Beispiel Paris oder Lyon, eingeladen worden. In ihrem letzten Jugendjahr 1973 qualifizierten sich Wolfgang Widmann/Gerhard Marquardt für die Deutschen Jugendmeisterschaften in Kassel und belegten dort den 4. Platz.

Hartmut Kimmerle, nun mit dem ehemaligen Jugendspieler Gerhard Löffler ein Team, gelang 1968 der Aufstieg in die Landesliga, wie auch den beiden Neulingen unter den Amateuren Werner Schöll und Fritz Kimmerle 1969. In diesem Jahr veranstalteten sie außerdem ihr erstes internationales Radball-Turnier mit Mannschaften aus der Schweiz und Dänemark. Die Auszeichnung für die Jugendarbeit in Württemberg in allen drei Sparten Radball, Rennfahren und Kunstradfahren zeugt von großer Einsatzbereitschaft der Mitglieder in jener Zeit.

Nicht nur Idealismus, sondern auch finanzielle Mittel erforderten die Erfolge der Radsportler und der damit verbundene Zuwachs des Vereins. Sei es für die neue Renn-, Radball- oder Kunstradmaschinen, oder für die Instandsetzung der vorhandenen Sportgeräte, nicht zu vergessen für Wettkampf-Preise und Spesen der Kampfrichter, für all das stiegen die Ausgaben, die schon damals nicht mehr allein durch Spenden und Mitgliedsbeiträge gedeckt werden konnten. Deshalb bildete der Verein 1969 zusammen mit dem Musikverein eine Gemeinschaft, die seitdem alljährlich zu Fasching Tanzveranstaltungen durchführt.
1970 ergab sich eine Umbesetzung im Vereinsvorstand: Erich Strauß übernahm die Vereinsführung, zweiter Vorsitzender wurde Eugen Schuster.

Unter deren Vorsitz beschloss der RVG sein bis dahin größtes Projekt: Nach zwei Vorbereitungsrennen, - im Februar 1971 ein Internationales Querfeldeinrennen und im Januar 1972 die Württembergische Querfeldeinmeisterschaft -, traute sich der RVG die Ausrichtung der Deutschen Querfeldeinmeisterschaft zu.

Die Stuttgarter Zeitung berichtete hierüber: „Der Landkreis Böblingen, besonders aber die Gemeinde Gärtringen feierte gestern ein großes Fest des Radsports: Die Deutschen Querfeldein-Meisterschaften der Amateure, Berufsfahrer und der Jugend. Die großartig aufgezogene Veranstaltung fand vor 5000 Zuschauern ihre Krönung in der dritten Meisterschaft für Wolfgang Renner und Karl Stähle. Den dritten Platz belegte Klaus Peter Thaler vom SV Victoria Lövenich, der von den beiden Magstädtern erst in den letzten Runden abgeschüttelt werden konnte. Den deutschen Meistertitel der Profis sicherte sich erwartungsgemäß der dreimalige Exweltmeister Rolf Wolfshol aus Köln vor Karl Heinz Kunde (Köln) und Dieter Puschel (Berlin).“
Wenn bei dieser Meisterschaft auch keine Gärtringer Rennfahrer vorne mitmischten, so waren sie in diesen Jahren dennoch nicht inaktiv. Noch zwei Jahre zuvor hatte Wolfgang Strauß bei einem bundesoffenen Straßenrennen in Magstadt einen überlegenen Sieg weit vor Wolfgang Renner gefeiert.

Der Zusammenschluss mit den Ehninger Rennfahrern und das gemeinsame Training mit den jungen Fahrern des neugegründeten RSV Schönaich, geleitet von World-Cup-Sieger Eugen Wondratsch, Joachim Preuß und Heinz Kimmerle brachte wieder neue Hoffnungen hervor wie Otto Ruoss, der 1971 Dritter wurde bei den Württembergischen Schülermeisterschaften, oder Karl Tafel aus Ehningen, der in der A-Jugend das Gärtringer Rundstrecken-Rennen gewann, oder Rolf Braun, der sich Landesmeister im Ersten Schritt nennen durfte.
Nach längerer Pause war auch vom Kunstradfahren wieder etwas zu vernehmen. Mit Claudia Birkner, Beate Wohlbold, Claudia Leuschner und Heiderose Lichtl hatte Erhard Wiesner als langjähriger Fachwart und Trainer dem Verein die Sparte Kunstradfahren erhalten. Hartmut Kimmerle, Trainer im Radball, hatte erfolgsversprechende Nachwuchsradballer unter seiner Obhut herangebildet.

1975 - 1978
EINE NEUE HEIMAT


Mitte der 70er Jahre gelang fast jedes Jahr einer Radball-Mannschaft der Aufstieg in eine höhere Spielklasse. Wolfgang Wichmann/Gerhard Marquardt stiegen 1974 in die Landesliga und 1975 in die Oberliga auf. 1977 erreichten sie mit dem Süddeutschen Meistertitel einen vorläufigen Höhepunkt. Hartmut Kimmerle und Werner Schöll spielten sich 1977 ebenfalls in die Oberliga. Den jüngsten Erfolg verzeichneten Wolfgang Widmann und Heinz Hennig mit ihrem Aufstieg in die Landesliga. Bei der Jugend erreichten 1977 Gregor Quiram/Siegfried Bengel zusammen mit Bernd Widmann und Wolfgang Haunold die Leistungsstaffel.

Im Jahr 1975 übernahm Hartmut Kimmerle als Vereins-Vorsitzender die Aufgabe, das etwas ins Wanken geratene Vereinsgefüge zu stabilisieren. Als Stellvertreter stand ihm Otto Schurer zur Seite. Wolfgang Kimmerle löste nach acht Jahren den Kassier Sigmund Marquardt ab, zum Schriftführer wurde Gerhard Marquardt gewählt.

Mit den umliegenden Vereinen Nufringen, Kuppingen und Oberjesingen zusammen gründete der RVG einen gemeinsamen Fond für eine Kreisrundfahrt, die jedes Jahr abwechselnd von einem der vier Vereine veranstaltet werden sollte. Das erste Rennen dieser Gemeinschaft fand im April 1975 statt, und es beteiligten sich bereits zahlreiche Nationalfahrer.

Mittlerweile boomte der Hallenradsport und die Ludwig-Uhland-Halle platzte aus allen Nähten. Durch die Arbeitsgemeinschaft der Gärtringer Vereine gefördert und vorangetrieben, wurde der Bau der Schwarzwaldhalle geplant. Was zunächst nur vier Wände und ein Dach sein sollte – quasi ein überdachter Festplatz –, mauserte sich so langsam zur Mehrzweckhalle. Unter der Federführung der Gemeindeverwaltung engagierten sich viele Gärtringer Vereine, und auch die Mitglieder des Radfahrervereines brachten Hunderte von Arbeitsstunden in dieses Gemeinschaftsprojekt ein. 1975 war es soweit und die Schwarzwaldhalle wurde mit einer Sportwoche eingeweiht. Die Radballer und die Kunstradfahrerinnen hatten somit eine neue Heimstatt mit sehr guten Trainings- und Veranstaltungsmöglichkeiten. Auch an die Nebenräume wurde gedacht: Die Radsportler erhielten im Untergeschoss ihren Radraum. Zu den Einweihungsfestlichkeiten vom 14. bis 23. Juni 1975 zählte selbstverständlich auch eine Hallenradsport-Demonstration. Vor 800 Zuschauern lief im Wechsel mit Tischtennis-Duellen erster Garnitur (Stellwag, Baum aus Reutlingen) ein spannendes Bundesliga/Regionalliga-Turnier ab. Am Sonntagvormittag wurde ein Volksradfahren für Jedermann angeboten.

Das Amt des Fachwarts für Rennsport hatte 1976 Paul Zechmeister von Eugen Kirn übernommen, der sich als neugewählter Vorsitzender des Württembergischen Radsportverbandes nicht mehr in bisherigem Umfang der Vereinsarbeit widmen konnte. Unterstützt von Wolfgang Fußnegger und Alfons Kulig. stellte er sich außerdem noch für das Amt des Kunstrad-Fachwarts zur Verfügung. Seine Hingabe war nicht umsonst: Im Kunstradfahren holten sich Gabi Schuster/Martina Widmann im Februar 1977 den Kreismeister-Titel, im März diesen Jahres wurde Gabi Schuster mit Sabine Kornherr Vize-Kreismeister, während Martina Widmann zusammen mit Elke Reutter die Bezirksmeisterschaft feierte und Neunte bei den Württembergischen Meisterschaften wurde. Außerdem legten zwei der Nachwuchs-Rennfahrer ihre Bewährungsprobe erfolgreich ab: der A-Jugend-Fahrer Kurt Armbruster (Bezirksmeister, im Vorjahr 37. bei der Deutschen Meisterschaft) und der jüngere Jürgen Schuster, ebenfalls meist unter den Ersten eines Rennens. Thomas Jantzen als Kreissieger im Ersten Schritt 1977 hatte ebenso gute Zukunfts-Chancen.

Nicht so sehr an Erfolgen gemessen und daher meist nur wenigen bekannt, war die Gruppe der Wander- und Touristikfahrer um Otto Schurer. Über sie berichtete der „Gäubote“ : „In Gärtringen tut sich nicht nur einiges im Leistungssport bei den Radfahrern, auch sonst geht es im wahrsten Sinne des Wortes fleißig rund. Die Radball-Hochburg ist auf dem besten Weg, ein Radsport-Zentrum zu werden, wenn die Akteure bei der Stange beziehungsweise den Pedalen bleiben. Wolfgang Fußnegger hat für die wiedererweckte Aktivität im Rennsport gesorgt und in Sachen Breitensport zeichnet Wanderfahrwart Otto Schurer für regen Umtrieb. Die 20 aktiven Wanderfahrer haben sich inzwischen derart engagiert, dass sie monatlich über 500 Kilometer strampeln.“

1977 stand für den April großes auf dem Programm. Wieder einmal waren Weltklasse-Sportler nach Gärtringen gekommen: Gerhart Obert, mehrfacher Kunstrad-Weltmeister, Vizeweltmeisterin Edith Westhäuser. Im Radball trat das Gärtringer Duo Marquardt/Widmann waren gegen Frankreich zum Hallenradsport-Ländervergleichskampf an. Nicht so sehr das Ergebnis (28:9), sondern das Kennenlernen der ausländischen Sportler war das Erfreuliche dieser gut besuchten Begegnung.

Als Verein mit guten Voraussetzungen für den Fünfer-Radball, sei es von den Spielern, wie auch von den Trainingsmöglichkeiten her gesehen, hatten sich die Gärtringer entschlossen, an der Verbandsrunde teilzunehmen. Wie sich zeigte, waren ihre Hoffnungen durchaus berechtigt: Die Mannschaft, zusammengewürfelt aus den einzelnen Zweier-Teams, mit den Spielern Hartmut Kimmerle, Wolfgang Widmann, Gerhard Marquardt, Werner Schöll, Heinz Hennig, Gregor Quiram und Siegfried Bengel im Tor, erreichte den dritten Platz bei der Württembergischen Meisterschaft, wurde Süddeutscher Vizemeister und erkämpfte sich schließlich bei der Deutschen einen verdienten fünften Rang.

Selbst 1978, ein Jahr vor dem Jubiläum, gönnte sich der Verein keine Ruhe. Außer Straßenfest, Anfänger-Rennen, Radball-Turnieren, Abendkriterium und der Württembergischen Schülermeisterschaft im Kunstradfahren, für das erdbebengeschädigte Tailfingen übernommen, wurden noch zwei Autobahnrennen veranstaltet. Kurz vor der Freigabe für den Straßenverkehr, wurde die ungestörte Strecke auf der A 81 zuerst für die Württembergische Vierer-Mannschafts-Meisterschaft und zwei Wochen später für ein internationales Vierer-Mannschaftsfahren genutzt.

Um für die Deutsche Meisterschaft und andere künftige Radrennen besser ausgerüstet zu sein, wurde die Lagerfläche des Vereins durch eine Doppelgarage hinter der Schwarzwaldhalle erweitert. Hierdurch wurde der Fahrradraum in der Schwarzwaldhalle entlastet. Einige freiwillige Arbeitswochen von Heinz Hennig waren nötig gewesen.

1979 - 1986
JUBILÄUM UND DER ERSTE DEUTSCHE MEISTER


Durch intensive Bemühungen des WRSV-Vorsitzenden Eugen Kirn war es gelungen, die Deutsche Straßenmeisterschaft 1979 nach Gärtringen zu holen. Die Zeitungen schrieben: „Kleines Dorf ganz groß: Die Rad-Party von Gärtringen“ – „Gärtringen, der 8.000 Einwohner kleine Flecken im Kreis Böblingen, kommt ganz groß raus. Deutsche Straßenmeisterschaft der Rad-Amateure in einem Dorf – das gab’s noch nie. Dabei musste der RV Gärtringen, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert, auf der Bewerberliste des Bundes Deutscher Radfahrer härteste Konkurrenz aus dem Feld schlagen. Sieben Städte hatten sich beworben, darunter sogar die Hanseaten-Metropole Hamburg. Doch die Gärtringer hatten beim BDR einen guten Fürsprecher, quasi einen Radfahrer: Eugen Kirn, Vorsitzender des Württembergischen Radsportverbandes und Mitglied beim RV Gärtringen. Chef des Jubiläumsclubs ist Hartmut Kimmerle und sie garantierten zusammen mit ihren Mitarbeitern eine stets gute und vorbildliche Organisation. So wird die „Deutsche“ ein Fest für das ganze Dorf. Eine Rad-Party mit Pauken und Trompeten.“

Das Jubiläumsfest begann am Freitag, dem 13. Juli 1979 mit einem Tanzabend mit den „Flippers“. Es wurde festlich fortgesetzt am Samstag mit zahlreichen Ehrungen für langjährige Mitgliedschaften. Stellvertretend für alle seien nur Eugen Amann, Friedrich Kimmerle und Eugen Dongus genannt, die vom BDR für 50-jährige Mitgliedschaft die goldene Ehrennadel erhielten, vom Vorsitzenden des RVG Hartmut Kimmerle wurden sie an diesem Abend zu Ehrenmitgliedern des RVG ernannt. Am Sonntag erreichte das Jubiläumsfest seinen sportlichen Höhepunkt. Pünktlich um 8 Uhr gingen über 200 Rennfahrer auf die 18 Kilometer lange Rundstrecke, die von Gärtringen über Deckenpfronn, Dachtel, Deufringen und Aidlingen wieder zurück zum Start und Ziel an der Schwarzwaldhalle führte. Vor einer Zuschauerkulisse von rund 10000 Zuschauern streifte sich nach über 4 Stunden der Dortmunder Peter Kehl das begehrte Meistertrikot über.

Erfolge für Gärtringer Sportler brachte auch das Jahr 1980: Zunächst errangen Sandro Lomuscio und Matthias Kasparek die Württembergische Meisterschaft der Schülerklasse B im Radball. Das Fünfer-Team des RVG mit den Spielern Wolfgang Widmann, Gerhard Marquardt, Werner Schöll, Hartmut Kimmerle, Dieter Rauser, Horst Rauser und Thomas Kimmerle holte den Württembergischen Vize-Titel. Das sportliche Topereignis war zweifelsohne der Gewinn der „Süddeutschen Meisterschaft“ und der Aufstieg in die Regionalliga von Gerhard Marquardt und Wolfgang Widmann.

Im Rennsport-Lager gelangen fünf Saisonsiege der Fahrer Jürgen Schuster, Markus Spieth, Oliver Rady und Volker Kirn. Den größten Erfolg erlangte Markus Spieth, der Württembergischer Vize-Meister im Bergzeitfahren wurde. Diese schönen Erfolge wurden erzielt unter der Anleitung der beiden Trainer Wolfgang Fußnegger und Paul Zechmeister.

Bei den Kunstradfahrern ging es unter der fachkundigen Anweisung der mehrfachen Ex-Weltmeisterin Annemarie Schlosser-Flaig wieder aufwärts: Auch hier sollten die sportlichen Erfolge bald nicht mehr ausbleiben.

1981 meldeten sich dann wieder die Radball-Teams, deren Zahl mittlerweile auf 14 Teams empor geschnellt war, eindrucksvoll zu Wort: Der dritte Platz von Sandro Lomuscio/Matthias Kasparek beim neu geschaffenen Bundespokal Schüler B und Rang sechs von Michael Lomuscio/Sascha Bader bei der Deutschen Schüler-Meisterschaft waren zu vermelden. Letzteres Team schaffte es fünfmal in Folge die Qualifikation für eine DM. Topplatzierungen waren hier 1982 und 1983 die Deutsche Vizemeisterschaft der Jugend.

Erfolge im Rennsport lieferte vor allem Volker Kirn mit Siege und Top-Platzierungen auf Straße und Bahn am laufenden Band ab. 1982 wurde sein Deutscher Meistertitel im Straßenrennen der Jugend mit Jubel in Gärtringen wahrgenommen: Es war der erste Deutsche Meister-Titel, der von einem Athleten aus der Gemeinde errungen worden war.

1983 tauchte dann erstmals Sandra Schlosser in den Ergebnislisten auf. Zwar „nur“ mit Rang 13 bei der Kreismeisterschaft und Rang zehn bei der Bezirksmeisterschaft. Mit insgesamt 40 Titeln auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene schrieb sie für fast zwei Jahrzehnte Kunstrad-Geschichte.

1984 übernahm Dieter Rauser das Zepter bei den Fünfer-Radballern, nach dem einige Jahre mehr schlecht als recht trainiert worden war. Der Erfolg stellte sich dann allmählich ein: Von 1991 bis heute war das RV-Team immer auf dem Siegertreppchen bei den Deutschen Meisterschaften vertreten. Für die Verbandsrunde 1984/85 meldete der RV Gärtringen erstmals 20 Mannschaften. Damit war das Trainerteam an die Grenzen der Belastbarkeit angelangt.

1987 - 1997
DAS KUNSTRAD BRINGT DIE ERSTE WELTMEISTERIN


Nach seinen großen Erfolgen wechselte der Rennfahrer Volker Kirn Mitter der 80er Jahre zur RSG Böblingen und gewann 1987, 1988 und 1989 jeweils die Deutsche Meisterschaft im Bahn-Vierer. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul blieb ihm nach Querelen mit dem Bundestrainer indes verwehrt.

1989 begann für damalige Verhältnisse Beispielhaftes: Der RV Gärtringen hatte die gewachsene Bedeutung eines konzentrierten Sponsorings erkannt und versuchte, sich gezielt zu vermarkten. Bis zu 55 Firmen aus Gärtringen und der näheren Umgebung machten mit und warben auf der Sportbekleidung auf den Radballbanden, auf Transparenten und in Programmheften. Als erster Radfahrerverein in Deutschland schuf der RVG den Posten eines Fachwartes für Werbung und Sponsoring. Erster Amtsinhaber war Dieter Rauser, der 1999 von Predrag Coklica abgelöst wurde.

Ebenfalls 1989 war die erste Deutsche Meisterschaft im Einer Kunstradfahren der Schülerinnen A für Sandra Schlosser zu registrieren, die sie 1990 erfolgreich verteidigen konnte.
Direkt nach der Wende 1990 begann eine intensive Partnerschaft mit dem VfH Mücheln aus Sachsen-Anhalt. Es folgten viele gegenseitige Besuche.

1991 richtete der RV Gärtringen in der Theodor-Heuss-Halle die Deutsche Meisterschaft im 5er-Hallenradball aus. 1100 Zuschauer bei der DM und 700 Gäste bei der Meisterschaftsparty in der Ludwig-Uhland-Halle sind bis heute immer noch unerreicht !
Erstmals gab es bei nationalen und internationalen Meisterschaften als besonderes Bonbon für Fans und Schlachtenbummler eine Video-Direktübertragung in den Bewirtschaftungsbereich. Völlig zu Recht schrieb das Fachorgan „Radport“: „RV Gärtringen setzt neue Maßstäbe“

1991 wurde ein denkwürdiges Jahr im 2er-Radball, denn Michael und Sandro Lomuscio spielten wieder zusammen und wurden zum erfolgreichsten Radballteam in der Vereinsgeschichte.
1992 richtete der RV Gärtringen wiederum in der Theodor-Heuss-Halle die Deutschen Meisterschaften im Hallenradsport der Jugend/Junioren aus und bekam erneut glänzende Kritiken. Im selben Jahr gab es für Sandra Schlosser nach Titeln auf Kreis- und Bezirksebene sowie der Deutschen Meisterschaft mit Rang drei bei der Junioren-Europameisterschaft die erste internationale Medaille. 1993 wurde zu ihrem vorläufig erfolgreichsten Jahr: Bei der Kreis-, Bezirks-, Württembergischen, Süddeutschen sowie Deutschen Meisterschaft und erstmals auch bei der Junioren-Europameisterschaft blieb Sandra siegreich.
1993 kam der RV Gärtringen so nicht aus dem Feiern heraus, denn Kristijan Oltovanji/Matthias König errangen bei den Schülern A die erste Deutsche Meisterschaft im Zweier-Radball für den RV Gärtringen. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, zogen im selben Jahr auch die Fünfer-Radballer mit Ihrem ersten Meistertitel nach und dies sogar in der „Höhle des Löwen“ in der Kellerskopfhalle in Wiesbaden-Naurod. Zu dem verbesserte die Radballhochburg ihren eigenen Rekord auf 21 gemeldete Radballteams.
1994 legte Sandra Schlosser nach: Sie verteidigte die Titel bei der Süddeutschen, Deutschen und Junioren-Europameisterschaft erfolgreich.

1994 richtete der RV Gärtringen seine nächste Deutsche Meisterschaft glanzvoll aus: Zu Gast waren die Hallenradsport-Amateure.
1994 reichte es für das Fünfer-Team in Rüsselsheim nicht zur angestrebten Titelverteidigung, denn es sprang „nur“ die Bronzemedaille für die Spieler um Kapitän Michael Lomuscio heraus. Aber dieser machte auf eine andere Art und Weise von sich reden. Der Radballer stand in Rüsselsheim vor einem großen Problem: Er hatte sein Rad in Gärtringens Schwarzwaldhalle vergessen. Da zahlreiche Fans und Schlachtenbummler mit einem Doppelstock-Bus, mit einem normalen Bus und mit zahlreichen Pkws zur Unterstützung bereits mitgereist waren, war guter Rat nun teuer: Kein Geringerer als der damalige Bürgermeister Hans Drexler brachte die Erlösing und das Rad. Der Schultes, der als bekennender Fünfer-Fan eh nach Rüsselsheim fahren wollte, sprang in die Bresche und half Michael Lomuscio aus seiner misslichen Lage.

1995 gewannen die Lomuscio-Brüder zwar den Deutschlandpokal, mussten aber immer noch auf ihren ersten nationalen Meistertitel warten. 1996 war es dann endlich soweit: Michael und Sandro wurden nach dem Staffelsieg in der Ersten Bundesliga erstmals Deutscher Meister. Nach dem zweiten Platz im Europacup dann der Saison-Höhepunkt: Vize-Weltmeister in Johore Bahru/Malaysia. Bei dieser WM fing Michael Lomuscio dann auch eine rätselhafte Viruserkrankung ein, die ihn im Folgejahr doch sehr schwächte und die er erst nach über einem Jahr endgültig überwunden hatte. Norman Speidel trat ein schweres Erbe an und übernahm das Kommando im Fünfer-Radball.

1996 startete Sandra Schlosser bei der WM als Mitfavoritin auf einen Medaillenplatz musste aber mit Rang fünf zufrieden sein. 1997 war es schließlich soweit: Den Titeln auf Bezirks- und Landesebene ließ sie ihre erste deutsche Meisterschaft bei den Frauen folgen. Der absolute Höhepunkt ihrer Karriere ereignete sich dann im schweizerischen Winterthur: Bei der glänzend organisierten Weltmeisterschaft lieferte sie vor 3500 Zuschauern den Wettkampf ihres Lebens ab und durfte sich mit neuem Weltrekord, den erst Minuten zuvor die Tschechin Martin Stepankova verbessert hatte, das verdiente Regenbogentrikot überstreifen.
1997 gewannen Michael und Sandro Lomuscio ihre zweite Deutsche Meisterschaft.

1998 - 2004
JETZT KOMMT DIE WELTMEISTERSCHAFT NACH GÄRTRINGEN


1998 zunächst dann wieder ein absoluter Toperfolg im Nachwuchs-Radball: Kristijan Oltovanji und Matthias König wurden – jetzt bei den Junioren startend – zum zweiten Mal Deutscher Meister.

1998 gewann Sandra Schlosser ihren siebten und letzten Deutschen Meistertitel, ein Jahr später gab es für sie gab es in Funchal auf Madeira mit Silber das zweite weltmeisterliche Edelmetall.

1999 startete das Fünfer-Team in Rüsselsheim eine beachtenswerte Serie: Es wurde erneut Deutscher Meister und verteidigte den Platz an der Sonne in den beiden nächsten Jahren erfolgreich.

Ab 2000 begann die Partnerschaft mit dem ungarischen Hallenradsport: An der Technischen Oberschule in Tatabanya und in Baj, dem Ausrichter der Hallenradsport-Weltmeisterschaft 2004, fanden diverse Trainings-Maßnahmen statt.
Dank der Kontakte nach Mücheln und nach Ungarn, Hallenradsport-Länderkämpfe gegen Österreich, Frankreich, Schweiz und Tschechien, mehrerer Trainingslager in der Schwarzwaldhalle (unter anderem mit der japanischen und der malaysischen Nationalmannschaft), Turnierteilnahmen in ganz Europa sowie nach dem Besuch von Sportlern aus vier Erdteilen kann der Radfahrerverein Gärtringen ohne Übertreibung als „Partner der Welt“ bezeichnet werden. Denn endgültigen Beweis seiner Internationalität lieferte der Verein im Jahr 2000 dann der absolute Höhepunkt in der bisherigen Vereinsgeschichte: Der RV Gärtringen richtete die Hallenradsport-Weltmeisterschaft aus. Bei der Bewerbung um dieses Großereignis stachen die Gärtringer so prominente Mitbewerber wie Stuttgart mit der Hanns-Martin-Schleyer-Halle und Karlsruhe mit der Europahalle aus.

Schnell wurden, Arbeitsgruppen und der „Verein zur Durchführung der Hallenradsport-Weltmeisterschaft 2000 in Böblingen“ gegründet. Zweieinhalb Jahre wurde intensiv organisiert und vorbereitet. Mit der Stadtverwaltung Böblingen, die die Sporthalle Böblingen als Austragungsstätte zur Verfügung stellte, dem Congreß Centrum Böblingen und dem RKV Böblingen fanden die Gärtringer zuverlässige und engagierte Partner.

Den Sportlern, Gästen und Besuchern aus der ganzen Welt sollte eine erinnerungswürdige WM mit eigenem Charakter geboten werden. Mit dem beispielhaften Einsatz aller Beteiligten bestätigte der RVG seinen guten Ruf als versierter Ausrichter eindrucksvoll. Heute noch schwärmen viele Hallenradsport-Freunde von diesem Großereignis.

Bei dieser WM erschienen Gärtringer Hallenradsportler nicht im bundesdeutschen Nationaltrikot auf der Bildfläche bei Weltmeisterschaften, sondern sorgten als „Exoten“ für weitere Farbtupfer. 2000 in Böblingen, 2001 in Kaseda-City/Japan, 2002 in Dornbirn/Österreich und 2003 in Schiltigheim/Frankreich gingen so Michael Posedi/Jasmin Fazlic (RV Ailingen), Charles Berry/Karl-Heinz Höhl, Charles Berry/Cavin Yarbrough, Kristijan und Oliver Oltovanji und Antonija Maric für Kroatien, für die USA und für Jugoslawien(Serbien-Montenegro) an den Start.

2000 vervollständigte Sandra Schlosser beim „Heimspiel“ in der Böblinger Sporthalle mit Bronze die Sammlung ihrer Weltmeisterschaftsmedaillen. Kurze Zeit später erklärte sie ihren Rücktritt und verabschiedete sich mit ihrer Dauerkonkurrentin Sonja Bissinger aus Nufringen bei einer tollen Gala in der Schwarzwaldhalle, wo alles begonnen hatte.
2001 verteidigten die Lomuscio-Brüder nach dem Titelgewinn im Deutschlandpokal im japanischen Kaseda-City den WM-Titel erfolgreich. Ein letztes Mal trumpften sie bei der Deutscher Meisterschaft auf und holten ihren vierten Titel.
2002 meldete sich Sandra Brodbeck zu Wort, die bei der Deutschen Schülermeisterschaft im Einer-Kunstradfahren die Silbermedaille errang.

Beim erstmals ausgetragenen Weltcup-Finale in der Böblinger Murkenbachhalle gingen die Lomuscio-Brüder ein letztes Mal zusammen an den Start und wurden von ihren Fans frenetisch verabschiedet. Einige Monate später die überraschende Kehrtwende: Michael Lomuscio erklärte den „Rücktritt vom Rücktritt“ und stellt sich künftig zusammen mit Gunther Schmid der Konkurrenz in der Ersten Bundesliga. Überhaupt gab es im Gärtringer Radballbereich das „große Stühlerücken“ und viele Teams präsentierten sich für die Verbandsrunde 2003/2004 mit neuen Partnern.

Radballerische Highlight in diesem Jahr war ein Zufallsteam, das eigens für die U 23-Wettbewerbe neu formiert wurde. Matthias König mit seinem „Partner auf Zeit“ Markus Schäfer belegten beim Deutschlandpokal und beim Europa-Cup in dieser Altersklasse jeweils einen ausgezeichneten zweiten Platz.

Wie sieht es nun im Jubiläumsjahr im RV Gärtringen aus ?
Ausgerechnet 2004 erhöhte der RV Gärtringen seinen eigenen Rekord auf nunmehr 24 gemeldete Radballteams und stößt damit schon an gewisse Grenzen. An den Trainingsabenden bevölkern 30 und mehr Nachwuchsspieler und Anfänger die Schwarzwaldhalle. Da könnte die Trainercrew durchaus eine personelle Verstärkung gebrauchen. Der Radraum quillt so langsam über. Dank konzentrierter Nachwuchsarbeit werden aber auch im zweiten Jahrhundert der Geschichte des Radfahrervereins Gärtringen Erfolge nicht ausbleiben.


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